Handarbeit mit Leib und Seele

Ein Blick hinter die Kulissen von colombo³

"So was tragt Ihr in Deutschland?" Die Frauen kichern, als mir eine von ihnen eine frisch genähte Hose zeigt. Sie wirkt zufrieden und glücklich. Ich bin das erste Mal in Sri Lanka und fühle mich sehr willkommen. Die höfliche und freundliche Art der Menschen hier lässt nicht vermuten, welche Katastrophen sie hinter sich haben. Den Tsunami 2004, den lang anhaltenden Bürgerkrieg...

In den Schneider- und Batikwerkstätten des Projekts Diriyalanka verdienen Frauen wie z.B. Rasika den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie – mit der Herstellung von colombo³-Produkten. Alle Frauen, die hier arbeiten, hätten ohne das Projekt keine Chance, Arbeit zu finden oder Unterstützung zu bekommen. Rasika verschuldete sich, um ihre krebskranke Mutter zu pflegen und medizinisch zu versorgen. Auch ihr Mann kann die vierköpfige Familie nicht ernähren – geschweige denn die Schulden bezahlen. Aber Rasika hat Glück im Unglück: „Ich habe hier eine Ausbildung bekommen und Arbeit. Meine Kinder werden nebenan betreut. Das Gehalt ist gut und ich bekomme sogar eine Altersvorsorge. "Diese Chance haben nicht viele", sagt sie. "Frauen schon gar nicht."

Sie führt mich durch die Werkstätten in Mirissa, wo ich die ganze Farbenfreude Sri Lankas wiederfinde. Die Frauen arbeiten konzentriert und unterhalten sich. Ihre Arbeit ist vielfältig: Sie bekommen die Stoffe aus der Diriyalanka-Weberei im Osten des Landes. Im Süden färben die Frauen die Stoffe mit traditionellen Batikfarben. Das Mischen dieser Farben ist ein wohlgehütetes Geheimnis, das nur von einer einzigen Frau beherrscht wird. Sie betreut die anderen Batikerinnen beim Kreieren und Färben der Motive.

"Ich muss jedes Motiv mit der Hand aufmalen und dann mit flüssigem Wachs nachzeichnen", erklärt Ireen, die ihren Batikplatz liebt. "Deshalb hat zum Beispiel jeder Elefant einen ganz eigenen Ausdruck. Diese kleinen Unterschiede machen aus jeder Batik ein Unikat." Die Stoffe durchlaufen mehrere Färbedurchgänge, bevor sie weiterverarbeitet werden. Das Zuschneiden, Flechten und Schneidern gehört auch zu den Aufgaben von Rasika.  "Jedes Stück von colombo³ wird selbst gefertigt – von A bis Z.  Sogar die Knöpfe aus Kokosschalen machen wir selbst. Deshalb wird die Arbeit hier auch nie langweilig. Außerdem kommt Martina Lenz immer wieder mit neuen Ideen und Schnitten zu uns. Wir wundern uns oft darüber, was ihr in Deutschland mögt und braucht", lacht sie. "Diriyalanka gibt mir die Kraft und Inspiration, mein Leben in die Hand zu nehmen – und nicht aufzugeben.

Ich bin beeindruckt und voller Bewunderung für die Kraft dieser Frau. Für die Leidenschaft und die Würde, die in dem ganzen Projekt steckt. Ich bedanke mich für die Führung und die vielen schönen Eindrücke. Bevor ich mich verabschiede, kaufe ich ein Kleid für meine Mutter – natürlich mit einem von Ireen gebatikten Elefanten. Über meinen Kauf freuen sich drei – nein, gleich vier Menschen – Ireen, Rasika, meine Mutter und ich.

Erlebt von Sonja Robinson, geschrieben von Cordula Becker